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Aretha Franklin RespektRespekt!

Respekt ist abgeleitet vom lateinischen „respectio“. Das bedeutet in etwa „Rückschau, Einschätzung, Betrachtung“. Gemeint ist, dass wir einer Person, einem Lebewesen oder der Natur Achtung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung entgegenbringen. Auch Höflichkeit, Fairness und Anerkennung, Toleranz und Rücksichtnahme sind Ausdrucksformen einer respektvollen Haltung.

Respektlosigkeit äußert sich in Missachtung, Verachtung, Geringschätzung, Herablassung, Demütigung, Kränkung, Verletzung. Sie resultiert aus einer Haltung, die von Vorurteilen, Unterlegenheit oder Neid getragen ist.

Respekt kann einer Person, einer Gruppe von Menschen, einer Kultur oder Institution gelten. Er kann sich auch auf eine Eigenheit oder Leistung beziehen, einen Erfolg als Sportler beispielsweise. Ein gutes Buch oder einen Film. Respekt kann sich auch auf eine Sache beziehen, die gesellschaftlich anerkannt ist wie den Beruf, ein Ehrenamt oder Zivilcourage.

Man erweist gemeinhin Respekt gegenüber

Autoritäten (Eltern, Lehrer, Polizei etc.),

dem Ansehen einer Person aufgrund von Stellung oder Prestige,

Religionen, religiösen Symbolen oder Würdenträgern,

den Gefühlen und Bedürfnissen anderer,

Leistungen oder Bemühungen anderer.

Respekt ist

  • ein menschliches Grundbedürfnis,

  • eine Grundlage des Zusammenlebens in Familie und Gemeinwesen und

  • ein Grundpfeiler der freiheitlich demokratischen Gesellschaft.

Eine Gemeinschaft kann ohne gegenseitigen Respekt nicht bestehen. Respekt ist also ein sehr hohes Gut, das sich nicht von selbst einstellt. Wir müssen dieses Gut schützen und aktiv Strukturen schaffen, die Respekt sichern und erhalten.

In Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Die Menschenwürde ist auch Schutzgut der EU-Grundrechtecharta und explizit Bestandteil vieler europäischer Verfassungen.

Wenn wir von Würde sprechen, meinen wir im Grunde, dass man jedem Menschen Respekt entgegen bringen sollte, unabhängig von seiner Herkunft oder irgendwelchen persönlichen Eigenheiten. Eine freie Gesellschaft ist eben nicht billig zu haben. Der Preis ist, dass jeder dafür Verantwortung übernimmt. Unter anderem, indem er andere Lebensformen im Alltag respektiert, ihre Eigenheiten toleriert. Auch wenn sie mit den eigenen Vorstellungen nicht übereinstimmen.

NarrenschiffKarneval: Verzicht auf fleischliche Gelüste...

Seit dem 15. Jh. feierte man in Venedig prachtvolle Karnevalsfeste. In Deutschland ist der Brauch seit dem 17. Jh. bekannt. Der Begriff „Karneval“ geht vermutlich auf den lateinischen Ausdruck „carne levare“ bzw. das italienische „carne vale“ zurück, was so viel bedeutet wie „die Wegnahme des Fleisches“ oder „Fleisch, lebe wohl!“. Gemeint ist der Verzicht auf Fleisch im doppelten Sinne, nämlich sowohl als Speise, als auch in Form sexueller Enthaltsamkeit.

Eine andere Deutung führt Karneval auf lat. „carrus navalis“ zurück - das Narrenschiff, das bei vielen Umzügen mitgeführt wurde. Das Narrenschiff stand seit dem frühen Mittelalter für eine vom Untergang bedrohte, verkehrte Welt und hielt der eigenen Zeit den Spiegel vor: Es steht für harsche Kritik an einer Gesellschaft, die nur der Genusssucht frönt und mit geistigen Dingen nichts mehr am Hut hat.

...und Ausbruch aus dem Joch der Obrigkeit

Der Karneval ist so eine Art befristeter Ausnahmezustand. Ein Ausbruch aus den Standesgrenzen und dem Reglement der Obrigkeit. Danach folgt eine Zeit der Besinnung. Karneval bezeichnete ursprünglich den Sonntag vor dem Aschermittwoch. Die letzte Gelegenheit vor der Fastenzeit, sich noch einmal ausschweifend zu vergnügen und ausgiebig zu essen und zu trinken. Es wurde geschlachtet und reichlich Fleisch verzehrt. Man durfte auch die übrigen verderblichen Vorräte an Fett und Eiern verbrauchen, zum Beispiel in Form des heute noch üblichen Fettgebäcks.

Auf den Straßen mischten sich dank der bunten Verkleidungen die sozialen Schichten. Bei Musik und Tanz konnten sie für kurze Zeit all die alltäglichen Zwistigkeiten, Pflichten und Sorgen vergessen. Doch die Obrigkeit beäugten die oft allzu ausgelassenen Feierlichkeiten mit Misstrauen. Sie dachte immer wieder über strengere Regeln oder gar Verbote nach, denn die Fastnacht war nach den gestrengen Sitten der Kirche „des Teufels“.

ZoiglDie katholische Kirche pflegt das Karnevals-Brauchtum seit dem Mittelalter. Bereits auf dem Konzil von Nicäa (325) war verfügt worden, dass die Christen sechs Wochen vor Ostern fasten sollen. Sie sollten damit dem 40-tägigen Aufenthalt Jesu in der Wüste gedenken. Die Auszeit von der strengen Fastenzeit wurde jedoch erst später beschlossen: Papst Gregor, der Große nahm 1091 auf dem Konzil von Benevent die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten aus und legte den Aschermittwoch als Beginn der eigentlichen Fastenzeit fest.

Fasenacht und Fastentrunk

In der Bezeichnung „Fastnacht“ (auch: „Fas(e)nacht“) steckt bereits der Hinweis auf die Fastenzeit. Die Fastnacht fiel zunächst auf den Abend vor dem eigentlichen Fest, wurde aber später auf die gesamte Karnevalszeit übertragen. Im Süden Deutschlands und in Österreich ist eher der Begriff "Fasching" geläufig. Er geht wahrscheinlich auf das althochdeutsche "vastschanc" (oder „vastschang“) zurück: Gemeint ist der Ausschank des extra für diesen Zweck gebrauten Starkbiers – dem Fastentrunk.

Fastenzeit

Als Fastenzeit werden die 40 Tage vor dem Tode Jesu am Karfreitag und seiner Wiederauferstehung an Ostern bezeichnet. Sie beginnt am Aschermittwoch, also dem Tag der auf das Ende der Faschingszeit folgt. Die Fastenzeit solle eine Zeit der Besinnung sein - auf die Opfer, die Jesus gebracht hat. Aus diesem Grund verzichten viele Christen noch heute auf den Verzehr vieler Lebens- und Genussmittel. Zumindest an bestimmten Tagen. Bereits 581, auf der ersten Synode von Mâcon, wurden die strengen Regeln eingeführt, die bis heute Geltung besitzen:

Vom Tage des heiligen Martin an bis Weihnachten muss am Montag, Mittwoch und Freitag jede Woche gefastet werden.“

Der 11.11. ist also der Beginn der Fastenzeit. Sie wird nur unterbrochen durch die Feierlichkeiten am Martinstag selbst, zur Weihnachtszeit und zur Fastnacht. Die Zahl 11 galt im Mittelalter als Narrenzahl, sie war der Inbegriff der Unzulänglichkeit und Verkehrtheit der Welt.

Der eigentliche Karneval – die närrischen Tage vor Aschermittwoch – boten dem Volk eine Art Ventil, eine kurze Gelegenheit, aus dem strengen Reglement der katholischen Kirche auszubrechen.

[Bild: Benreis, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zoigl.JPG]

 

Perchten MaskeFasenacht und Karneval - eine kurze Geschichte der närrischen Tage

Karneval, das ist der gemeinsame Oberbegriff für eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Sie finden überwiegend in den katholischen Gebieten statt und sind, je nach Region, von ganz unterschiedlichen historischen und kulturellen Elementen geprägt. Maskenfeste gehören fast überall zum Brauchtum. In vielen größeren Städten ziehen kunterbunt dekorierte Karnevalsparaden durch die Straßen. Sie stehen meistens unter einem bestimmten Motto und nehmen die große und kleine Politik, besondere Ereignisse oder soziale Probleme auf die Schippe.

Karneval - die historischen Wurzeln

In Mesopotamien kostümierten sich die Menschen bei den alljährlichen Festen zu Ehren der Fruchtbarkeitsgötter: Die Männer schminkten wie Frauen und die Frauen verkleideten sich als Krieger. Und das wohl schon vor 5000 Jahren. Dieser Rollentausch ist in einer altbabylonischen Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. festgehalten:

Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“

Das Gleichheitsprinzip, das unserem Brauchtum bis heute zugrunde liegt, war also schon damals Bestandteil der Feierlichkeiten. Aber darüber, ob diese uralte Tradition mit unseren heutigen Karnevals-Riten irgendwie verwandt waren, kann man nur spekulieren.

In Ägypten, Griechenland und im Römischen Reich wurden zu Beginn des Frühjahrs ähnliche Feste gefeiert. Auch andere Kulturen kennen vergleichbare Rituale in der Zeit des Übergangs zwischen Winter und Frühjahr. Die Chinesen zum Beispiel.

Karneval und Christentum

Die Christen kaperten etliche Elemente ursprünglich heidnischer Traditionen. Vermutlich haben viele unserer heutigen Feste im keltischen und germanischen Brauchtum ihre Wurzeln. Vor allem die, die zu ganz bestimmten Jahreszeiten gefeiert wurden. Kelten und Germanen ehrten ihre Götter mit Sonnwend- und Fruchtbarkeitsfeiern, dem Winteraustreiben und anderen Traditionen. Ihre Rituale waren naturverbunden und daher auch eng mit dem Bauernjahr verknüpft.

WinterschlafEndlich Winterschlaf!

So langsam ist es an der Zeit, sich gemütlich in der lauschig warmen Höhle zwischen Bärenfällen einzukuscheln und ein paar Monate lang richtig auszuschlafen. Anstatt sich zu nachtschlafender Zeit bei eisiger Kälte und Dunkelheit aus dem Bett zu quälen. So wie damals unsere Vorfahren...

Die gingen auf die Jagd, sammelten Beeren und Pilze. Das war ziemlich ermüdend. Deswegen schliefen sie meistens gut und lange. Damit der Körper von den Anstrengungen des Tages regenerieren konnte. Oder wie Aristoteles einst so treffend formulierte:

"Der Schlaf hat die Bestimmung, der Erhaltung der Lebewesen zu dienen."

Schlaf – eine schlechte Gewohnheit?

Später gab es immer mehr Menschen, die Schlaf unnütz und überflüssig fanden. Die Chinesen zum Beispiel:

„Verdienst und Ruhm krönen nie die Schlafmütze.“

Und die Italiener:

„Wer schläft, fängt keine Fische.“

Zeit ist Geld. Oder Ruhm. Meist geht ja beides Hand in Hand. Wie bei Thomas Alva Edison. Der berühmte Erfinder betrachtete das müßige Dahindämmern einfach nur als "schlechte Gewohnheit". Henry Ford fand Schlafen sogar ziemlich überflüssig. Warum um alles in der Welt sollte die Produktion in der Nacht ruhen? Das wollte dem Pionier der Fließbandarbeit gar nicht einleuchten.

John Davison Rockefeller setzte noch einen oben drauf: Er verachtete den Schlaf. Man könne diesen Zustand nur als "Räuberei" bezeichnen. Getreu dem deutschen Sprichwort:

Kein größerer Dieb als der Schlaf – er raubt uns das halbe Leben.“

Wer rastet, der rostet

Wachbleiben war die Devise. Schlaf ist unproduktiv. Man war Tag und Nacht aktiv – nötigenfalls mit viel Koffein. Die meisten medizinischen Maßnahmen zielten darauf ab, den Menschen möglichst flott wieder fit zu machen. Funktionstüchtig.

Wissenschaftler suchten nach einem Mittel gegen das lästige Bedürfnis nach Schlaf. Einer von ihnen arbeitete beispielsweise an einer Gen-Manipulation - der Schlafmutante. Tag und Nacht beobachtete er seine Fruchtfliegen im Reagenzglas. Nur um die eine zu finden, die überlebt ohne einzuschlafen. Deren Gene wollte er sodann isolieren und sie dem Menschen injizieren. Damit der nie wieder schlafen muss.

Zum Glück gilt es inzwischen als erwiesen, dass Schlaf äußerst heilsam ist. Bei Grippe zum Beispiel. Während sich die einen vergeblich mühen, wach zu bleiben, setzen die anderen alles daran, so lange wie möglich zu schlafen. Auch der Winterschlaf wird derzeit intensiv erforscht. Weil so ein Dauerschlaf über mehrere Monate hinweg manchmal sehr praktisch wäre. Zum Beispiel auf der Reise zum Mars...

Karpfen sauer LebkuchensosseWeil der Franke sich immer noch kleiner fühlt, als er eigentlich hätte sein können, stellt er sein Licht allzu sehr unter den Scheffel. Seine protestantische Bescheidenheit macht ihn aber arg sympathisch. Ein großmäuliger Selbstdarsteller ist der Franke gewiss nicht. Er fällt auch ganz bestimmt nicht mit der Tür ins Haus. Der Franke pflegt lieber ein trotziges Understatement. Er legt seinen Stolz eher ironisch an den Tag. Außer, es käme vielleicht irgendwann der richtige Moment dafür. Aber das ist eher theoretisch.

Das fränkische Schlaraffenland

Der Franke gibt nach außen hin mit besonderer Vorliebe den grantigen Muffler und tut gern recht benachteiligt. Vor allem den Bayern gegenüber. Das macht er aber nur, damit die ihn in Ruhe lassen. In Wirklichkeit gehört er nämlich zu den glücklichsten Menschen auf Gottes Erdboden. Das liegt vor allem daran, dass er sich über die Jahrhunderte hinweg klammheimlich ein kleines Schlaraffenland zurecht gezimmert hat. Darin fließen köstlicher Wein und leckeres Bier. Es fallen honigsüße Lebkuchen, herzhafte Brodworschdweggla, knusprige Scheiferla und kugelrunde Kartoffel-Kniela vom Himmel. Wo auch immer man nämlich in Franken hingeht, wird tüchtig geschmaust und gebechert, denn das ist der Franken kleine Glückseligkeit auf Erden.

Bassd scho!

Optimismus allerdings ist im Frankenland völlig unbekannt. Wenn doch mal was gut läuft, dann war das sowieso selbstverständlich. Bassd scho! Mehr Enthusiasmus ist ihm unter gar keinen Umständen abzuringen. Außer natürlich, wenn dem Glubb gegen Bayern ein Tor glückt. Aber er legt erstaunlicherweise trotz seiner unerschütterlichen Beschaulichkeit einen durchaus herzhaften Humor an den Tag. Getreu der Devise: Lass niemals einen guten Witz aus, besonders wenn er auf Kosten anderer geht. Zum Beispiel lacht er gern über uns Oberpfälzer. Aber wir sind hart im Nehmen. Auch weil wir wissen: die hinterfotzige Retourkutsche trifft den Franken in Mark und Bein. Der Franke leidet ja gerne ein wenig, das passt historisch in sein Weltbild und wer einen Glubb hat, braucht für den Spott ohnehin nicht zu sorgen.

fcn Nuernberg ClubDer Franke ist kein Bayer - eine kleine Charakteristik der fränkischen Wesensart

Der Franke ist kein Bayer. Er war nie einer und wird auch keiner. Das wird für jeden Außenstehenden sofort klar, wenn der Glubb gegen die Bayern spielt. Der Franke ist ja im Grunde ein freundlicher und friedlicher Zeitgenosse - a Gouda halt. Aber gegen die Bayern lässt er die Sau raus und foult, was das Zeug hält. Er hat in seiner Geschichte schon viel Schmach hinnehmen müssen, aber dass ihn die Bayern annektiert haben, wird er denen niemals verzeihen! Wenn sich die Franken untereinander über irgendwas einig sind, dann darüber, dass sie partout nix anderes sein wollen als Franken. Wir Oberpfälzer unterstützen die fränkische Separationsbewegung. Weil wir es lustig finden, wenn sich die Franken und die Altbayern gegenseitig den Schädel einschlagen.

Frank und frei - bis die Bayern kamen...

Das Herzogtum Franken war einst mächtig und wichtig. Aber nur ganz kurz. Das war vor über tausend Jahren. Damals, als die Franken noch die Freien und Kühnen waren und Nürnberg das Machtzentrum des Abendlandes. Davon zehren die Franken noch heute. Sie waren damals sogar so frei, dass jeder fränkische Stamm hartnäckig auf seiner Eigenständigkeit beharrte. Deswegen konnten sie sich nie auf einen gemeinsamen Staat einigen. Ein ziemlich eigensinniger Haufen eben.

Dass sie einst hätten so richtig mächtig sein können, es aber nicht auf die Reihe gekriegt haben - daran leidet die fränkische Volksseele bis heute. Wo sie doch im Grunde der Ursprung Deutschlands und sogar des modernen Europas gewesen sind. Gegen Ende des Mittelalters schlummerte das gemütliche Völkchen der Franken allerdings in einem tiefen Dornröschenschlaf. Dann kamen ausgerechnet die Schenkelklopfer und Lodenträger und küssten es wach. Mit Obrigkeiten hatte der Franke ja schon immer seine Probleme. Aber seither kann er sich wenigstens immer dann, wenn es drauf ankommt, auf die Unterdrückung durch die Besatzer berufen. Er wüsste nämlich schon, wie man es macht, aber die Bayern lassen ihn ja nie. Die sind eh an allem schuld, was schief läuft. Irgendwann werden die anderen das auch verstehen.

Die Welt ist einfach unfair zu den Franken

Der Franke gefällt sich in der Rolle des aufmümpfigen Rebellen, der eigentlich immer unterschätzt wird und als ein wenig tölpelig gilt. Er könnte nämlich schon, wenn er nur wollte. Aber wozu? Überhaupt ist ja nicht alles ganz schlecht, was die Altbayern so treiben. Und mit den Oberpfälzern hat er ja einen altbayerischen Stamm vor seinen Toren, dem es nicht wirklich besser geht. Ja, uns Oberpfälzern wenigstens kann sich der Franke überlegen fühlen. Leider zu recht. Aber nur wirtschaftlich. Im Grunde ist Franken nämlich ein schlafender, kleiner Riese. Fragt sich nur, wann er endlich aufwacht…

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Fraenkische FlaggeFränkisch für Anfänger II

Grundkenntnisse Fränkisch

Haben Sie schon mal einem Franken zugehört, der sich redlich bemüht, Hochdeutsch zu sprechen? Das hört sich fast noch lustiger an, als ein Franke, der gepflegt fränkisch spricht. Unser Markus Söder zum Beispiel. Oder Lothar Matthäus. Der Lodda. Weil der Franke nämlich auch im Hochdeutschen keine harten Konsonanten sprechen kann und sie tann aper kanz pesonters petont. Das ist die so genannte fränkische Hyperkorrektion.

Fränkisches L mit Lallhilfe

Fränkisch zu lernen ist aber auch wirklich nicht einfach. Das liegt wie gesagt vor allem daran, dass es das eine fränkisch gar nicht gibt. Das Fränkische an sich. Aber es gibt einige Grundregeln. Mit deren Hilfe kannst du dich in weiten Teilen Frankens mühelos verständigen. Lockere zunächst deine Zunge und übe das Lallen der Laute. Nötigenfalls unter Zuhilfenahme einschlägiger fränkischer Lallhilfen (a Seidla oder an Schobbn). Und nicht vergessen: Immer den ganzen Mund voll „L“ nehmen! Und zwar das tiefer gelegte L, das auch im nüchternen Zustand immer leicht alkoholisiert klingt. Dann noch die Silben schlucken und das „R“ vorne im Gaumen rollen wie zum Beispiel in „Horrrch amalll!“

Sprechen Sie einfach alles butterweich aus: „T“ wie Deodor, „P“ wie Babba und „K“ wie Glubb. Die Sprachbegabten unter Ihnen können sich jetzt schon mal an folgendem Satz versuchen: „Da Babba dringd an Dee.“ (Der Papa trinkt einen Tee) Was natürlich wieder eine dieser klassischen Duden-Fehlkonstruktionen ist, dafür aber pädagogisch wertvoll. Weil da Babba dringd kan Dee, sondern a Seidla oder an Schobbn.

Wenn du die Grundzüge soweit verinnerlicht hast können wir zur erweiterten Technik übergehen. Widmen wir uns den Ausnahmen: Urplötzlich und unvermutet tauchen im Fränkischen nach einer vollkommen unergründlichen Logik harte Laute auf und zwar mit Vorliebe dort, wo sie keiner vermuten würde. Zum Beispiel in „Senft“. (Senf) Alles andere sind Feinheiten. Und die kommen im wirklichen Leben eines Franken sowieso praktisch nie vor.

Links:

Dialektatlas Fränkisch

Deutsche Welle Landeskunde Fränkisch

Die Franken und ihr Dialekt

Wei schreib´in fo Oofang oo a gschaids frängghisch? (auf eine Übersetzung wurde aus nachvollziehbaren Gründen verzichtet – no dransläischon available)

Fraenkisch fuer AnfaengerFränkische Sprache für Anfänger 

Der Franke ist von Natur aus komprimiert, seine Sprache ist prägnant und kompakt. Er reduziert den gesprochenen Text auf das Wesentliche ein wie die Soß‘ zum Kloß. Der Bayer schwadroniert wortreich herum, nur um zu sagen, dass er dir nicht ganz folgen kann. Der Franke kommentiert die Situation lapidar mit: „Su a Gschmarri!“ (So ein Blödsinn!). Das ist nicht etwa grob beleidigend gemeint, wie der unbedarfte Zugereiste in seiner Unkenntnis der fränkischen Wesensart leicht annehmen könnte. Es ist lediglich eine präzise Feststellung offensichtlicher Tatsachen.

Der ideologische Unterbau der fränkischen Sprache

Da ist der Franke staubtrocken. Er verfällt angesichts eines wirklich tragischen Ereignisses nicht in hysterisches Gezeter, sondern quittiert jede noch so fatale Situation schlicht mit einem stoischen „bled gloffn!“ (blöd gelaufen). Er bricht auch nicht in einen enthusiastischen Freudentaumel aus, wenn er im Lotto gewinnt. Drei Millionen? Bassd scho! Letzteres ist gewissermaßen der Inbegriff seiner allgegenwärtigen philosophischen Skepsis. Dem Leben gegenüber. Im Allgemeinen, überhaupt, insbesondere und generell. Drei Millionen sind eben a ned verkäiard (nicht verkehrt).

Der ideologische Unterbau ist eminent wichtig für das Verständnis des Klangbildes: Immer etwas grantig, mumpfelig und barsch. Auf gar keinen Fall aber auch nur ein ganz kleines bisschen zu positiv oder am Ende vielleicht sogar euphorisch.

Fränkisch, praktisch, gut

Komplizierte verbale Verrenkungen sind nicht seine Welt. Der rheinländische Dienstleister würde sich für einen überfälligen Termin in landestypisch sinnfreier Umständlichkeit folgendermaßen entschuldigen: „Das habe ich gestern schon getan haben wollen.“ Der Franke wird Ihnen auf eine entsprechende Nachfrage nur mit einem verständnislosen „Hä?“ begegnen.

Termine? Vage Orientierungshilfen. Im Zweifelsfall: „Glei.“ Gleich. Bedeutet in etwa: Heute, morgen oder in einer Woche. Ist aber aus fränkischer Sicht eine präzise Ansage. Eine verbindliche Zusage. Gleichzeitig Ausdruck überaus gewählter Umgangsformen.

Verein zur Rettung von dem Genetiv

Die Franken selbst sind mächtig stolz auf ihren Dialekt. Warum auch immer. Vielleicht weil sie so viele davon haben? Es ist nämlich immer das gleiche mit den Franken: Sie sind sich untereinander über gar nichts einig. Selbst bei der Sprache gibt es unüberbrückbare Differenzen. Die einzige Gemeinsamkeit besteht allenfalls darin, dass alle Franken Mitglied im Verein zur Rettung von dem Genetiv sind. Ansonsten macht jede Region ihr eigenes Ding. Deswegen hat auch jedes Kafferndorf seinen eigenen Dialekt. Sogar in der Nürnberger Nordstadt wird anders gesprochen als im Süden. Und in Fürth sowieso.

Die Nürnberger sind Oberpfälzer!

Aus dem Madla (Mädchen) wird schon zwei Kilometer weiter ein Madle. Oder ein Madli. Da ist der Franke eigen. Dem Zugereisten erschließt sich die Logik nicht. Das ist gewollt. Schließlich haben ihnen die bösen Bayern damals die Freiheit genommen. Deswegen ist der Franke bis heute arg misstrauisch gegenüber potenziellen Übergriffen. Und sei es nur verbal. Wegnehmen lässt er sich jedenfalls nix mehr.

Einen Identitäts-Diebstahl unerhörten Ausmaßes beging jüngst auch die Universität Erlangen-Nürnberg. Der Dialektforscher Alexander Mang stellte nämlich fest: "Wenn man sich den Nürnberger Dialekt genau anschaut, kann man ungefähr genauso viele fränkische wie oberpfälzische Merkmale ausmachen". Die Nürnberger sind also demnach mindestens halbe Oberpfälzer. Tja, liebe Franken - bled gloffn!

ApfelstrudelKirchweihkuchen oder Schmierkuchen

Schnell und einfach zubereitet ist auch der Schmierkuchen, der hauptsächlich zur Kirchweih gebacken wird. Er ist zudem reich an Variationen - eine köstlicher als die andere. Dazu wird der gut aufgegangene Hefeteig dünn ausgerollt und wie Pizzateig auf dem Backblech verteilt. Dann wird eine Schmier darauf gestrichen.

Einfache Grieß-Schmier

  • 1 Liter Milch
  • 100 g Butter
  • 150 g Zucker
  • 130 g Grieß

Milch, Butter und Zucker im Topf zum Kochen bringen. Grieß darunter rühren und abkühlen lassen bis die Masse fest wird. Vor dem Aufschmieren mit einem guten Schuss Rum noch einmal aufrühren. Danach in Rum getränkte Rosinen darauf verteilen. Die satte Gelbtönung bekommt die Schmier heute meistens durch Lebensmittelfarbe, aber es geht auch mit Eigelb oder ein wenig Safran.

Äpfel gibt es in der Oberpfalz im Überfluss. Sie hielten sich früher in den eiskalten Kellern meist bis ins Frühjahr hinein. Deswegen haben die Oberpfälzer eine ganze Menge Süßspeisen erfunden, um die leckeren Früchtchen mit Stil und Butzen zu verwerten: Gelee zum Beispiel, Saft, Kompott, eine Schmier für den Kirchweihkuchen und den Apfelstrudel.

Rezept für Oberpfälzer Apfelstrudel

4 – 5 Äpfel hobeln, 2 EL Zucker, 2 TL Zimt und eine Handvoll Rosinen dazugeben, ziehen lassen.

  • 250 g Mehl
  • 2 Eier
  • 1Schuss Öl
  • 1 Prise Salz
  • ein wenig lauwarmes Wasser.

Alle Zutaten werden kräftig durchgeknetet, ausgewalkt und so fein gezogen, bis der Teig fast durchsichtig ist. Dann vorsichtig die Äpfel darin einrollen und den Teig in Lagen in die Backform schichten. Bei 180° 30 Minuten backen. Wenn der Strudel in der Röhre Farbe annimmt, noch ein wenig Milch darauf geben. Den fertig gebackenen Apfelstrudel mit Zimt und Zucker bestäuben und mit Milch, Vanillesoße oder Sahne auf der Zunge zergehen lassen.

Hollerköichla (Holunderkücherln)

Leider blüht die Holunderblüte nur so kurz, denn das Hollerkoichl hat das Zeug zum echten Gourmetschmaus. Die Blüten entfalten ihr volles Aroma, kurz bevor sie sich gelblich verfärben. Dann sind sie fast schon überreif. Sie werden säuberlich mit dem Grünzeug abgeschnitten, in einen dicken Pfannkuchen-Teig getunkt und in heißem Fett goldgelb herausgebacken. Vor dem Servieren wird der Strunk mit einer Schere abgeschnitten. Ein wenig Zimtzucker betont den feinen Holunder-Geschmack. Ansonsten sollte man die knusperigen und lecker duftenden Koichln ohne jeden weiteren Schnick-Schnack verspeisen…

Rohrnudeln, BuchtelnRohrnudeln, Hefeknödel, Buchteln

Zuckrig Süßes traf man in der Oberpfalz nur selten an. Zucker war lange Zeit ein teueres Vergnügen. Er ist daher in den Original-Rezepten meist nur in geringen Mengen enthalten. Wir Oberpfälzer sind keine Süßen. Selbst der Hefeteig für süßes Backwerk kommt mit sehr wenig Zucker aus. Was durchaus Vorteile hat: Die Leckereien werden nicht ganz so mächtig. Man kann ganze Berge davon verschlingen. Fast ohne Reue. Üppig Verwendung findet alles, was man aus eigener Herstellung beisteuern konnte oder was die regionale Landwirtschaft günstig produzierte: Mehl, Milch und Quark, Eier, Butter oder Schmalz.

Die süßen Seiten des Fastengebotes

Reich gesegnet war die schwer katholische Oberpfalz mit den allgegenwärtigen Erdäpfeln und mit Fasttagen. An denen durften auf gar keinen Fall Fleischspeisen konsumiert werden. Also kam jeden Freitag eine leckere Mehlspeise auf den Tisch. Da waren wir als Kinder über den Fleisch-Verzicht gar nicht traurig.

Hefeknödel mit dicker Vanillesoße

Rohrnudeln, Hefeknödel, Buchteln, das sind nur die regional unterschiedlichen Bezeichnungen für ein und dasselbe Gericht. Rohrnudeln sind im Grunde schnell und einfach zubereitet. Voraus gesetzt, man beherrscht den Hefe-Grundteig. Das ist sozusagen die Rohmasse für die allermeisten oberpfälzischen Leckereien. Die Zubereitung ist so simpel, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn er nicht gelingt. Das Geheimnis liegt allein in der Zeit: Man muss nur dem Teig lange genug gehen lassen.

Hefe-Grundteig

  • 500 g Mehl
  • 30 g Zucker
  • 2 Eier
  • 1 P. Hefe
  • ¼ Liter lauwarme Milch
  • 1 Prise Salz

Alle Zutaten mindestens 10 Minuten lang zu einem geschmeidigen Teig kneten. Schüssel mit einem mit einem Tuch abdecken. Mindestens eine Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen.

Rohrnudeln

  • Hefe-Grundteig mit mehligen Händen zu runden Bällchen formen,
  • in ca. 50 g geschmolzene Butter tunken,
  • in eine Form geben und
  • je nach Backofen etwa 20 Minuten bei ca. 180° backen.

Nach der halben Backzeit die restliche Butter, ggf. auch ein bisschen Milch und Zucker darüber geben und fertig backen. Für die dicke Vanillesoße kocht man einfach Vanille-Pudding nach Vorschrift und verdünnt die Masse mit Milch, bis sie etwas flüssig ist.

MaenleinlaufenBassd fei scho – philosophische Betrachtungen zur bayerischen Mundart

Dreiviertel zwölf? Bassd scho...

Die Nürnberger zerbrechen sich eher selten den Kopf darüber, warum die Touristen schon um Dreiviertel zwölf vor der Frauenkirche auf das Männleinlaufen warten und nicht erst um Viertel vor zwölf. Dreiviertel zwölf? Bassd scho. Der des fränkischen nicht mächtige Tourist aus dem Norden dagegen verzweifelt mitunter an solchen einfachen Dingen. Dabei kann es fei sehr philosophisch sein, sich ausführlicher mit der tieferen Bedeutung einiger typischer Begriffe zu befassen:

Wenn der Bayer „fei" sagt, meint er das wirklich

Das kleine Wörtchen „fei" gibt nicht nur in Franken sondern fei auch in der Oberpfalz. Genau genommen in weiten Teilen Bayerns. Ein „Fei" vermag nur der wirklich fehlerfrei einzusetzen, der es mit der Muttermilch aufgesogen hat. Man würde dem „fei" nämlich arg unrecht tun, wenn man es einfach als „Füllsel" abtäte. So ein wohl gesetztes „fei" ist im süddeutschen Sprachgebrauch von essentieller Bedeutung: Es verstärkt das Gesagte noch einmal nachdrücklich. Der Sprecher insistiert auf seinem Standpunkt. Er verleiht ihm nachhaltige Durchdringlichkeit bis hin zur aggressiven Behauptung einer Tatsache. Deren Wesensgehalt hat das Gegenüber gefälligst unwidersprochen hinzunehmen.

Ein „fei" sollte den Gesprächspartner immer hellhörig machen. Es ist sozusagen ein dezenter Hinweis darauf, dass der Watschenbaum bei Nichtbeachtung schon mal umfallen kann. Weil es ein gewaltiger Unterschied ist, ob der Bayer sagt: „Das darf man nicht!" oder „Das darf man fei nicht!" Ersteres bedeutet: Das musste zwar mal gesagt werden, aber es handelt sich dabei keineswegs um ein ehernes Gesetz. Man darf es schon, es braucht nur keiner zu erfahren.

Letzteres aber bedeutet: Das darf man überhaupt gar nicht. Auf gar keinen Fall. No Go. Streng verboten. Ansonsten Watschen.

Bassd scho - das Dao der Franken

Das fränkische „bassd scho" ist ein äußerst facettenreicher Begriff. Es bedürfte einer umfangreichen sprachwissenschaftlichen Abhandlung, um die Nuancen fein säuberlich herauszuarbeiten. „Bassd scho" ist erst einmal die in jeder Lebenslage korrekte Antwort auf die Frage: „Wie geht's?"

Bassd scho" hat eine Bandbreite von „blendend" bis „hundsmiserabel". Im Geschäftsleben zum Beispiel kann die Antwort „bassd scho" bedeuten, dass der Betreffende kurz vor dem Ruin steht, aber auch, dass er im laufenden Geschäftsjahr alle Umsatzrekorde bricht. Da lässt sich der Franke nicht so gerne in die Karten schauen.

Auch wenn sich einer bei ihm entschuldigt macht der Franke nicht viel Aufhebens darum sondern quittiert dies mit einem kargen „bassd scho". Die tiefere Bedeutung kann je nach Kontext von „nicht so schlimm" bis hin zu „verpiss dich" reichen. Wird er nach seiner Meinung gefragt, zum Beispiel ein neues Kunstwerk in der Stadt betreffend, kann das „bassd scho" ein großes Kompliment sein, aber auch eine alles vernichtende Kritik. „Bassd scho" ist schlicht ein Ausdruck des höchsten Enthusiasmus, zu dem der Mittelfranke fähig ist. Andererseits aber auch der Inbegriff absolut maximaler Verachtung.

Auch der Zugereiste entdeckt früher oder später die Weisheit, die einem kernigen „bassd scho" inne wohnt. Es hat so was unglaublich Gemittetes: Geht in Ordnung. Oder auch nicht. Yin und Yang eben. Das ist das Dao der Franken. Und alles ist gut.