Oberpfalz & Franken

Frankenrechen

Drei rote, nach oben zeigende Zacken auf weißem Grund...

...das ist für viele Franken das Identifikation stiftende Symbol schlechthin. Heraldisch (nach der Wappenkunde) betrachtet liegen die Zacken übrigens auf silbernem Grund, denn die Farbe Weiß existiert in der Fahnenlehre nicht.

Der Rechen greift ein klassisches Muster auf: Die drei aufwärts gerichteten roten Zacken symbolisieren die göttliche Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und den Heiligen Geist. Die silbernen Zacken zeigen gen Boden und stehen demnach für die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen.

Offiziell gibt es die Franken gar nicht

Ein bischöflicher Fürst des Erzbistums Würzburg hat sich den Rechen im 14. Jh. zu Eigen gemacht und sich fortan als „Fürst der Franken" bezeichnet. Seither taucht der Rechen in den verschiedensten fränkischen Wappen auf. Da es aber nach den Karolingern nie mehr ein offizielles Frankenland gab, wurde er als Wappen auch niemals staatlich anerkannt.

Gerade in den letzten Jahren setzten sich traditionsbewusste Landsleute verstärkt für die Frankenfahne ein. In verlässlicher Regelmäßigkeit schwillt ihr latentes Raunen zu einem unüberhörbaren Gebrüll an, wenn der „Tag der Franken" vor der Haustür steht. Ein offizieller Feiertag ist das nicht. Gefeiert wird trotzdem und zwar seit 2006 alljährlich am 2. Juli.

Flagge „zweiter Klasse“

Im Jahr 2012 konnten die „Rächer des Rechens" einen Erfolg verbuchen: Das rotweiße Banner darf seither am Tag der Franken vor Rathäusern, Regierungsgebäuden und Gerichten in ganz Bayern wehen. Den Verantwortlichen steht es frei, nach Gusto zu beflaggen.

Die Franken dürfen also wieder Flagge zeigen, allerdings nur inoffiziell, denn sie ist nicht „staatlich", sondern lediglich ein Mittel der regionalen Öffentlichkeitsarbeit. Der Rechen darf nämlich laut Beschluss des bayrischen Landtages vom April 2012 nicht in Konkurrenz zu den hoheitlichen Flaggen stehen. So fristet der fränkische Rechen auch in Zukunft ein Schattendasein neben weiß-blau, schwarz-rot-gold und der Europafahne. Aber er darf sich zumindest sehen lassen.

Franken ist nicht Bayern

Hätten Sie übrigens gewusst, dass der Frankenrechen überhaupt erst mit der Überschreibung Frankens an die bayrischen Herrscher im Jahre 1806 zu einem Identifikationsstifter wurde? Zuvor tauchte er zwar schon knapp 500 Jahre in den verschiedensten Siedlungsgebieten der Franken im heutigen Nordbayern, Baden-Württemberg und Hessen auf. Doch als Symbol für das Frankenland oder zumindest als repräsentierendes Zeichen für die Volksgruppe der Franken gibt es ihn erst seit seiner Aufnahme in das große bayrische Staatswappen.

Haben gar die Bayern dem Rechen erst zu Geltung verholfen? Es kann zumindest nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Andererseits gibt es wenige Faktoren die so identitätsstiftend sind wie Abgrenzung. Und die traditionellen Franken sehen sich nun einmal nicht als Bayern, sondern als eigenständige Bevölkerungsgruppe. Der Rechen ist ein Symbol, auf das sich die Franken geeinigt haben und das sie mit Stolz hochhalten.

Nürnberg StichNürnberg und Fürth - an der Stadtgrenze

Betrachtet man die beiden Städte aus der Luft...

...zum Beispiel auf Google Earth, so kann man nicht unterscheiden, wo Nürnberg aufhört und Fürth anfängt. Die Stadtgrenze verläuft manchmal zwischen zwei Häuserzeilen wie in der Höfener Straße. Dort soll dereinst in einer kalten und regnerischen Nacht eine Streife der Fürther Stadtpolizei entlang gegangen sein. Die Polizisten sahen einen Selbstmörder am Baum hängen. Sie fackelten nicht lang und hängten ihn eiligst auf die Nürnberger Seite.

Zehn Minuten später, so geht die Legende, seien zwei Nürnberger Polizisten vorbei gekommen. Da habe der eine zum anderen gesagt: „Jetzt hängt der schon wieder da!"

Ein anderer Selbstmordkandidat, so wird erzählt, sei in Nürnberg auf einer Brücke über der Pegnitz gestanden und wollte sich gerade in die Tiefe stürzen, als ein Nürnberger Polizeibeamter hinzu kommt. Er wendet sich verständnisvoll an den Verzweifelten und sagt: „Na, was is'n los?" Der Unglückliche sagt: „Die Frau is weg, des Haus is weg, des Auto is weg! Mir reicht's!" Sagt der Polizist: „Ja scho, aber jetza stell da mal vor, du hupfst da nunta - ich muss dir hinterher springen. Wir beide treiben Richtung Färdd in der Pengatz und ich schwör' dir - vor der Stadtgrenz' krabbelst du raus. Den Stress brauch mer uns ned machen!"

Auch den Dialekt der Nachbarstädte...

...können nur Einheimische wirklich unterscheiden und der Unterschied ist ungefähr so relevant wie der zwischen dem Nürnberger Nordstädter und einem in der Südstadt sozialisierten Eingeborenen. Nur einem dummen kleinen Zufall ist es also zu verdanken, dass Nürnberg eine große, berühmte Reichs- und Kaiserstadt wurde, Fürth aber lange Zeit bedeutungslos vor sich hin dümpelte und in Verruf geriet wie zum Beispiel in folgender Spruchweisheit festgehalten: "Wer niggs is und wer niggs ko, der gäid zur Färdder Schdrasserboh".

Dauerkarte FCNLieber Fünfter als Färdder...

...ist eine Nürnberger Spruchweisheit, die nur versteht, wer der fränkischen Mundart mächtig ist, weil Vierter in Mittelfranken genauso ausgesprochen wird wie Fürther. Die Rivalitäten der fränkischen Nachbarn im Fußball sind nun rund 100 Jahre alt. 1914 wurde Greuther Fürth die Mannschaft mit dem Kleeblatt erster deutsche Meister - der 1. FC Nürnberg schaffte es erst 1920 an die Spitze. Danach wurde Fußballgeschichte eine Zeitlang fast nur noch in Nürnberg und Fürth geschrieben.

Nürnberg und Fürth - die deutsche Fußballhochburgen

Die beiden Städte galten bis weit in die 20er Jahre hinein als deutsche Fußballhochburgen. 1924 bestand die deutsche Nationalmannschaft aus sechs Fürthern und fünf Nürnbergern. Aber von wegen fränkische Solidarität - die Erzrivalen wollten nicht miteinander spielen. Sie wurden schließlich vom DFB gezwungen, gemeinsam zur Partie gegen Holland zu fahren. Doch selbst auf der Zugfahrt zogen sie sich in die jeweils am weitesten auseinander gelegenen Wagons zurück und wechselten kein Wort miteinander. Und im Hotel gingen sich die Spieler der beiden Mannschaften genauso aus dem Weg wie anschließend auf dem Spielfeld. Das 1:0 fiel auf Vorlage des Nürnberger Spielers Träg und wurde vom Fürther Stürmer Ascherl verwandelt. Die Kleeblätter jubelten, die Clubberer übten sich in Ignoranz.

Ein paar Jahre später hat ein Fürther Spieler gar Spielverbot bekommen, weil er eine Nürnbergerin geheiratet hat. Und wenn in Nürnberg einer schlechten Fußball spielt so sagt der Volksmund: "Was schbilldn där fieran Schdobbfer zam? Där is gwieß vo Färdd!?" ["Was spielt denn der für einen Blödsinn zusammen? Der ist gewiss aus Fürth!?"]

Nun jedenfalls dauern die Animositäten zwischen den den fränkischen Nachbarsstädten bis heute an und wer den Hinterrgrund verstehen möchte, muss einen Blick in die Geschichte werfen. So konnten es die Kleeblätter zum Beispiel gar nicht verwinden, dass Fürth nach Nürnberg eingemeindet werden sollte. Aber auch die Nürnberger haben viel Grund zum Ärgernis und das nicht nur, weil Fürth viel älter ist, sondern auch eine Zeit lang wirschaftlich viel erfolgreicher war.

PflasterNürnberg und Fürth: Krieg um ein paar Pflastersteine

Der Minister des preußischen Königs in Ansbach, Freiherr von Hardenberg wollte um die Jahrhundertwende Nürnberg in das preußisch-fränkische Gebiet eingliedern. Er besetzte die Stadt mit Zustimmung der Nürnberger, die damals sehr viele Schulden hatten und sich von den Preußen Unterstützung versprachen. Damit war aber der König nicht einverstanden, weil ihm das Ärger mit dem Kaiser hätte einbringen können. Hardenberg musste sich also etwas Neues einfallen lassen und weil er Nürnberg nicht kriegen konnte, nahm er eben den Ort, der in Franken ansonsten wirtschaftlich am Wichtigsten war, nämlich Fürth.

Alle Neuerungen und Fördermittel kamen nunmehr der kleinen Nachbarsstadt zugute und Nürnberg hatte das Nachsehen. Die Fürther erhielten eine Bank, Hardenberg verteidigte die Gewerbefreiheit und er wollte eine Straße bauen und - das war damals ungewöhnlich - sie sollte gepflastert sein. Die Steine bestellte man in Wendelstein, wo sich ein Steinbruch mit sehr hartem Gestein befand, der auch dafür berühmt war, die schönsten Mühlsteine weit und breit zu liefern.

Eine Million Steine

Hardenberg erteilte ein Auftrag über eine Million Pflastersteine. 20 Gulden pro 1000 Stück sollten diese kosten. Preußen bezahlte jedoch nur 15 Gulden, die übrigen fünf, welche an die Stadt Nürnberg als Eigentümerin des Steinbruchs berappt werden sollten, schenkte sich Hardenberg. Er argumentierte, dass nur das Gebiet mit der Mauer drum herum Stadt sei und das Nürnberger Land zum preußischen Besitz gehöre, weswegen die preußische Verwaltung gar nicht daran denke, der Forderung nachzukommen.

Das wiederum ärgerte die Nürnberger, welche die Straße ohnehin nicht wollten, ganz furchtbar. Sie überhäuften also den Steinbruch mit so vielen Aufträgen, dass dieser keine Zeit mehr hatte, Steine für die Straße zu produzieren. Hardenberg verbot daraufhin die Herausgabe von Gestein an Fremde, was die Nürnberger wiederum so erboste, dass sie versuchten, die Steine nachts heimlich aus dem Steinbruch nach Nürnberg zu transportieren, doch die preußischen Soldaten standen bereits vor dem Tor und fingen die Steine ab. Für die so beschlagnahmte Ware zahlten sie übrigens gar nichts. So ging es noch eine ganze Weile hin und her, doch Preußen hatte den längeren Atem - drei Jahre später war die Straße fertig.

SpiegelNürnberg und die Fürther Zünfte

Ein Schelm, wer da leugnet, dass sich hinter den Boshaftigkeiten zwischen den beiden ungleichen Nachbarn nicht nur das berühmte Körnchen Wahrheit, sondern immer auch eine gehörige Portion Neid verbirgt. Denn die Nürnberger genossen recht lange die Privilegien einer Reichsstadt, doch irgendwann standen die strengen Regeln zum Beispiel die Zünfte betreffend auch der Innovationskraft im Wege. Im 18. Jahrhundert ging es mit Nürnberg wirtschaftlich bergab. Viele Handwerker zog es nach Fürth, weil man es dort mit dem Zunft- und Gewerbezwang nicht ganz so genau nahm wie in der Reichsstadt. So ging zum Beispiel auch der erste Spiegelhersteller von Nürnberg nach Fürth, um dort das erhabene deutsche Spieglein herzustellen. Hatte man nämlich bis dahin Spiegel in Form einer Glasskugel produziert, so konnte man nun dank einer neuen Technik flaches Glas herstellen. Und das hatte einen sehr viel besseren Spiegeleffekt.

Moderne Handwerkstechnik in Fürth

Diese Herstellungsweise war nach der Handwerksordnung in Nürnberg verboten, in Fürth aber erlaubt. Und so kam es, dass die Handwerker in Fürth sich viel besser an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren und dadurch auch marktgerechter produzieren konnten. Das wiederum brachte der Stadt einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Juden, die von den Nürnbergern vertrieben und ebenfalls nach Fürth abgewandert waren, taten ihr übriges dazu mit ihren Geld und ihren Kontakten. Sie machten die Waren der Fürther Handwerker in ganz Europa bekannt und gemeinsam bescherten sie der Fürther Wirtschaft Erfolg und Wachstum und machten der Reichsstadt ordentlich Konkurrenz.

Kein Wunder also, dass in einer Fürther Chronik von 1778 nachzulesen steht, die Stadt Fürth habe einen schlechten Ruf, weil die Nürnberger ihr nachsagen, dass sie ihr „in commercio", also in Handelsdingen schadeten. Die Reichsstadt war aber auch mit den Jahren ein wenig behäbig geworden und stand sich mitunter auch selbst im Wege wie zum Beispiel beim so genannten „Pflasterkrieg".

Henkershaus NuernbergDer Nürnberger Pranger

Zimperlich war man im Mittelalter nicht. Zu den nettesten Strafen gehörte damals noch das Kitzeln: Der Delinquent wurde auf ein Brett gelegt, festgebunden und dann vom Scharfrichter mit einer Feder an den Fußsohlen gekitzelt. Nicht ganz so lustig war dagegen der Pranger. Aber auch da war Nürnberg wieder einmal besonders progressiv, denn es gab neben dem Hauptpranger und dem Bauernpranger sogar einen eigenen Frauenpranger. Frauen genossen außerdem das Privileg, dass sie ihr Gesicht verhüllen durften. Immerhin...

Volksbelustigung am Hauptmarkt

Je nach Straftat mussten die Angeprangertern unterschiedlich lange ausharren. Sie bekamen ein Schild umgehängt, auf dem geschrieben stand, was sie verbrochen hatten. Das war aber nicht wirklich schlimm, weil damals sowieso keiner lesen konnte. Außerdem durften die Passanten sie mit Abfall bewerfen. Ein guter Grund, gelegentlich über den Hauptmarkt zu schlendern. Steine werfen, schlagen und treten war verboten. 

Das Diensttagebuch eines Henkers

Die Chancen, die Prozedur am Pranger zu überleben, standen also gar nicht mal so schlecht. Pranger gab es nur leichte Straftaten wie Liederlichkeit und Betteln. Schwerwiegendere Vergehen wurden durch Erhängen geahndet, denn dabei handelte es sich um die kostengünstigere Lösung - im Gegensatz zur Verbrennung. Ins Gefängnis kam man ohnehin nur, wenn es sich für die Stadt rechnete. In den Kerker brachte man beispielsweise Schuldner. Allerdings auch nur dann, wenn die Aussicht bestand, dass sie ihre Schulden auch wirklich tilgen konnten. Auch Geiseln, die in der Schlacht gefangen genommen worden waren, genossen dieses Privileg - bis zur Zahlung eines Lösegelds. Und damit das alles mit rechten Dingen zugeht, führte unser Nürnberger Scharfrichter und oberster Folterknecht sogar ein Diensttagebuch. Darin kann man bei einer Besichtigung seine ehemalige Dienstwohnung im Henkerturm am Trödelmarkt heute noch schmökern.

Lorenzkirche Schoner Brunnen mDer Storch über dem Ringlein am schönen Brunnen bringt Kindersegen

Die Pest hatte grausam in Nürnberg gewütet. Viele Menschen waren dem Schwarzen Tod zum Opfer gefallen und es gab fast keine Kinder mehr. Die Stadt drohte auszusterben und die Ratsherren waren voll der Sorge darüber, wer in Zukunft ihr Säckel füllen sollte. Da meldete sich ein Schreiber und wies darauf hin, dass fast alle Gewässer der Stadt verunreinigt seien. Er schlug vor, einen Brunnen zu bauen, der nur das reinste Wasser führt. Dann würde auch Meister Adebar bald wieder kommen und viele gesunde Kinderlein bringen. Die Ratsherren machten sich zwar lustig über das kleine Schreiberlein, den Brunnen bauten sie aber dennoch. Er bekam sogar eine eigene Wasserleitung, gespeist aus zwei Quellen in Gleishammer. 

Der Lehrling und die Tochter des Meisters

1587 errichtete Meister Paulus Kuhn das schmiedeeiserne Gitter um den Schönen Brunnen herum. Nun begab es sich aber damals, dass sich ein Lehrling in seine hübsche Tochter Margret verguckte. Der Meister war gar nicht angetab, weil er sich ein bessere Partie für seine Tochter wünschte. Er warf den armseligen Habenichts hinaus und rief ihm nach:  "Daraus wird ein für allem nichts! So wenig wird etwas daraus, wie du es fertig bringst, dass die Ringe am Brunnengitter sich drehen können!" Das wollte der Lehrling nicht auf sich sitzen lassen. Er schmiedete heimlich einen Ring und sägte ihn so zu, dass er sich ins Gitter einfügen ließ. Dann hämmerte und lötete er so lange daran herum, bis die Schnittstelle nicht mehr zu sehen war. Als der Meister den Ring sah, der sich wie von Zauberhand drehen ließ, biss er sich fast in den Hintern, weil er so einen guten Handwerker hatte ziehen lassen. Er hätte ihn gerne wieder eingestellt, doch der Lehrling war längst über alle Berge und hatte gewiss längst irgendwo anders sein Glück gefunden. Margret dagegen war untröstlich und machte ihrem alten Herrn die Hölle heiß. 

Storch Adebar bringt reichen Segen

Noch heute kann man am Schönen Brunnen in Nürnberg viel Spaß mit dem Ringlein haben. Das fängt meist schon damit an, dass sich die Touristen grundsätzlich vom Gold blenden lassen und am falschen Ring drehen. Da genügt dann meist ein kurzer, freundlicher Hinweis. Dann können Sie den auswärtigen Gästen noch eine Weile dabei zusehen, wie sie den richtigen Ring suchen. Wenn sie ihn dann endlich gefunden haben, wird gedreht und gedreht und dann lohnt es sich immer, einmal nachzuhaken: Wissen Sie denn eigentlich, was Sie sich gerade gewünscht haben?Große Augen mit Fragezeichen... Dabei sitzt er direkt über dem Ring, der Meister Adebar, und trägt ein kleines Kind im Schnabel. Spätestens dann dämmert es den meisten so langsam. 

Auch lesenswert: Der Schöne Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt

 

schoener brunnenDer Schöne Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt

Auf dem Haupmarkt in der Sebalder Altstadt steht eines der Wahrzeichen Nürnbergs: Der Schöne Brunnen. Die Planungen gehen schon auf die Zeiten Kaiser Karls IV. um 1370 zurück. Die Brunnenpyramide sollte Bestandteil des neuen Marktplatzes werden, der an der Stelle des ehemaligen Judenviertels errichtet wurde. Mit seinen reichen Verzierungen ist die ca. 19 Meter hohe gotische Brunnen-Skulptur eine der Haupt-Attraktionen der Nürnberger Innenstadt. Im den pyramidenartig übereinander liegenden Stockwerken des Brunnens sind die sieben Kurfürsten und jeweils drei christliche, jüdische und heidnische Helden dargestellt.

Entstehungsgeschichte und Symbolik

Der Schöne Brunnen entstand zwischen 1385 und 1396. Er ist somit einer der ältesten Brunnen Nürnbergs. Errichtet wurde er durch den Baumeister Heinrich Beheim. Die Fiale des Schönen Brunnens hat vier Etagen. Jede von ihnen ist mit allegorischen Figuren und Personen bestückt: Die erste mit Allegorien der Philosophie und der Freien Künste, gefolgt von den Evangelisten und lateinischen Kirchenvätern. Die sieben Kurfürsten und neun Helden zieren die dritte Reihe und in der obersten Etage finden Moses und sieben Propheten Platz. 

Für den Betrieb des Brunnens wurde eigens eine Wasserleitung vom Gleißhammer zum Hauptmarkt verlegt - die Schönbrunnleitung. 1587 erhielt der Brunnen ein schmiedeeisernes Schutzgitter. Geschmiedet hat es der Augsburger Kunstschlosser Paulus Kuhn. Dank der Proteste zahlreicher Nürnberger Künstler und Bürger blieb das Gitter beim Übergang Nürnbergs an Bayern 1811 erhalten. Albert Leipold setzte es 1902 instand und fügte auch den drehbaren Ring ein, um den sich heute so viele Mythen ranken. Drei Wünsche sollen demjenigen erfüllt werden, der am goldenen Ring dreht, so der Volksmund. Und wenn er dreimal dreht wird er mit reichem Kindersegen belohnt.

Der Sandstein, aus dem der Brunnen ursprünglich erbaut wurde, verwitterte stark. Also entschloss man sich dazu, im Jahre 1897 eine komplette Kopie anzufertigen. Dabei wurde der Sandstein durch Muschelkalk ersetzt. Die alten Sandsteinfiguren wurden damals teilweise ins Germanische Nationalmuseum gebracht, einige aber auch in die Staatlichen Museen Berlin.

 

sachs ehekarussell gedichtHans Sachs: Das bittersüße ehlich' Leben (Volltext)

Dieses Gedicht über das bittersüße Auf und Ab des Ehelebens widmete Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) seiner lieben (?) Gattin. Aus eigener freud- und leidvoller Erfahrung wie es scheint. Denn die Inschrift auf dem Nürnberger Brunnen „Ehekarussell“ beschreibt ebenso drastisch wie die dazu gehörigen Skulpturen die Szenen einer Ehe von anfänglicher süßer Leidenschaft über einen bitteren Rosenkrieg bis hin zum Tod:

Das bittersüße ehlich' Leben

Gott sei gelobet und geehrt
Der mir ein frumb Weib hat beschert
Mir der ich zwei und zweinzig Jahr
Gehaust hab, Gott gab länger gar
Wiewohl sich in mein ehlig Leben
Had Süß und Saures oft begeben
Gar wohl gemischt von Freud und Leid,
Erst auf, dann ab, ohn Unterscheid
Sie hat mir nit stets kochet Feigen
Will schwankweis Dir ein Teil anzeigen

Sie ist ein Himmel meiner Seel
Sie ist auch oft mein Pein und Hell,
Sie ist mein Engel auserkoren,
Ist oft mein Fegeteufel woren.
Sie ist mein Wünschelrut und Segen
Ist oft mein Schauer und Platzregen
Sie ist mein Mai und Rosenhag,
Ist oft mein Blitz und Donnerschlag,

Mein Frau ist oft mein Schimpf und Scherz,
Ist oft mein Jammer, Angst und Schmerz,
Sie ist mein Wonn und Augenweid,
Ist oft mein Traurn und Herzeleid
Sie ist mein Freiheit und mein Wahl,
Ist oft mein Gfängnis und Notstall,
Sie ist meine Hoffnung und mein Trost,
Ist oft mein Zweifel, Hitz und Frost.

Mein Frau ist meine Zier und Lust,
Ist oft mein Graun und Suppenwust,
Ist oft mein königlicher Saal,
Doch auch mein Krankheit und Spital.
Mein Frau, die hilft mir treulich nähren,
Thut mir auch oft das Mein verzehren,

Mein Frau, die ist mein Schild und Schutz,
Ist oft mein Frevel, Stolz und Trutz.
Sie ist mein Fried und Einigkeit,
Und oft mein täglich Hebensstreit
Sie ist mein Fürsprech und Erlediger,
Ist oft mein Ankläger und Prediger.

Mein Frau ist mein getreuer Freund,
Oft worden auch mein größter Feind,
Mein Frau ist mietsam oft und gütig,
Sie ist auch zornig oft und wütig.

Sie ist mein Tugend und mein Laster,
Sie ist mein Wund und auch mein Pflaster,
Sie ist meines Herzens Aufenthalt,
Und machet mich doch grau und alt.

ehekarussellDas Ehekarussell - ein Brunnen gestaltet nach einem Gedicht von Hans Sachs

Seit 1984 steht das Ehekarussell an seinem Platz vor dem Weißen Turm am Ludwigsplatz. Gestaltet und erbaut wurde es vom Bildhauer Jürgen Weber aus Marmor und Bronze. Vom ersten Tag an provozierte der Brunnen heftige Diskussionen: Die schamlose Nacktheit strapazierte das Nervenkostüm empörter Sittenwächter. Zudem waren die Nürnberger erbost über das ausufernde Budget für das Ehekarussell. Heute gilt es als eines der bedeutendsten neuzeitlichen Kunstwerke der Stadt und ist außerdem der größte europäische Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts.

Süße und grausame Szenen einer Ehe

Das Ehekarussell zeigt, wie der Name schon sagt, das bittersüße Auf und Ab des Ehelebens. Nach einem Gedicht, das Meistersinger Hans Sachs (1494-1576 ) seiner Frau gewidmet hat. Aus eigener freud- und leidvoller Erfahrung wie es scheint, denn es beschreibt ebenso drastisch wie die Skulpturen auf dem Ehekarussel die Szenen einer Ehe von anfänglicher süßer Leidenschaft über den bitteren Rosenkrieg bis hin zum Tod.

Das Kunstwerk ist einem Karussell auf dem Jahrmarkt nachempfunden, das sich mit seinen sechs Wagen im Kreise dreht: Drei zeugen von den süßen Seiten des Ehelebens, drei von den Bitteren. Männlichkeit und Weiblichkeit stehen sich gegenüber - in Form eines kraftvollen Ziegenbocks und einer Nymphe, die aus dem Wasser steigt. Am Anfang liegt der Mann vor der Frau auf den Knien und sie steht über ihn erhaben in einer Muschel wie eine Meerschaumgeborene, eine römische Venus. Er preist ihre Schönheit, mit der er sich gerne schmückt: „Mein Frau ist meine Zier und Lust”.

Die Frau wird zur Mutter, widmet sich im Pelikanwagen aufopfernd ihren Kindern. Der Gatte mimt derweilen immer noch den Filou. Er weilt mit dem Kopf in den Sternen, anstatt sich den familiären Pflichten zu widmen. Der Pelikan als Symbol der Mutter, die ihre Kinder füttert, reißt sich selbst das Herz aus dem Leib. Im nächsten Wagen ist der Mann nackt und bis auf die Knochen abgemagert. Er beklagt sein Schicksal. Seine Frau dagegen verschlingt üppige Tortenstücke und hat enorm an Leibesfülle zugelegt.

Das Karussell dreht sich weiter

Man sieht die Ehegatten nackt als Liebende auf einem Bett aus schnäbelnden Schwänen. Wieder eine Szene, die wie der gesamte Brunnen an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig lässt. Doch die Turteltäubchen sind alt geworden und im darauf folgenden Wagen aus Höllenfeuer auf Gedeih und Verderb in Ketten aneinander gefesselt. Und auch als beinahe schon verweste Gerippe führen sie auf ihrem Höllendrachen den Rosenkrieg auf ewig fort.

Dichter und Meistersinger Hans Sachs persönlich tanzt auf einer Säule über dem Ehefelsen, auf dem die sterblichen Überresten der Eheleute aufgebahrt liegen: Ein verendeter Bock und ein menschlicher Schädel als Symbol für die Frau. Die Inschrift auf dem Felsen lautet: „Bis der Tod euch scheidet".

Zum Gedicht "Hans Sachs: Das bittersüße ehlich' Leben (Volltext)"

gaensmaennleinDer Nürnberger Gänsemännleinbrunnen

Der Gänsemännchenbrunnen befindet sich seit 1945 in der Sebalder Altstadt, im Hof des alten Rathauses. Die berühmte Brunnenfigur wurde etwa 1540 aus Bronze gegossen. Sie steht in einer Schale aus Granit, umgeben von einem schmiedeeisernen Renaissance-Gitter. Gekleidet ist das Gänsemännlein ist im Stile des 16. Jahrhunderts - so wie die Bauern, die damals ihre Waren auf dem Marktplatz feilboten. Unter jedem Arm trägt es eine fette Gans. Aus deren Schnäbeln fließt klares Wasser.

Der Legende nach soll es sich dabei um einen Bauern aus dem Knoblauchsland gehandelt haben, der das Bier mehr mochte als das Wasser. Eines Tages ging ihm jedoch das Geld aus und die Gänse waren alles, was er noch besaß. Er machte sich mit dem Federvieh unter den Armen auf den Weg nach Nürnberg. Die Sonne brannte gnadenlos herab und er war ordentlich durstig. Die Gänse ahnten Schlimmes und wollten ihren Hals retten. Sie versprachen ihm, dass sie Wasser herbeischaffen würden, wenn er sie nur verschonte. Das durstige Bäuerlein stimmte in seiner Not zu und schon floss aus den Schnäbeln der Federtiere das reinste, klare Wasser.

Das ist die Geschichte vom Gänsemann

Ein Fremder war hinzugekommen und sah verwundert zu. Der Gänsemann erzählte, was passiert war und er legte ein Gelöbnis ab: Von nun an wolle er nur noch Wasser und kein Bier mehr trinken. Er begab sich zurück auf seinen Hof und hielt Wort. Der Fremde war Pankraz Labenwolf, der kurz darauf den Brunnen baute. Als der Bauer eines Tages wieder einmal nach Nürnberg kam, staunte er nicht schlecht, weil sein eigenes Konterfei den Marktplatz zierte. 

Einer anderen Erzählung zufolge plante der Rat ein Bild der Heiligen Magdalis auf dem Obstmarkt errichten. Angeblich sei Labenwolf mit seinen Aufträgen nicht mehr hinterher gekommen und bot der Stadt den Gänsemännchenbrunnen als Ersatz dafür an. Zwar störten sich einige Räte am profanen Abbild eines einfachen Bäuerchens, doch der Künstler war bereits so berühmt, dass er sich durchsetzen konnte.

Goethe und der Entenmann

Fakt ist, dass das Gänsemännlein seit 1540 mitten auf dem Nürnberger Gänsemarkt stand und erst im frühen 19. Jh. an den Obstmarkt verlegt wurde. Kopien des Brunnens waren damals übrigens ein echter Exportschlager: Sie stehen in Meiningen, Weimar, Luzern und Thun. Sogar Geheimrat von Goethe hatte seinen eigenen „Entenmann“ aus Ton und selbst Ludwig II. war angetan von der Skulptur und orderte eine Kopie für Schloss Hohenschwangau. Heute gilt der Brunnen als bekannteste deutsche Bronzeplastik der Renaissance und eines der wertvollsten Denkmäler der Nürnberger Altstadt. Die Vorlage für die Brunnenfigur schnitzte Hans Peisser aus Holz. Sie befindet sich im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus.

 

KnoedeltopfEine kleine Knödelkunde aus Franken und der Oberpfalz

Völlerei gehört heutzutage insbesondere an den Festtagen selbst im katholischen Bayern zu den eher lässlichen Sünden. Das Servieren eines Pfanni-Knödels fällt dagegen unter unverzeihliche Todsünden.

Eine Gastwirtschaft, welche Knödel-Pantscherei oder versuchtem Betrug mit Fertigprodukten begeht und dabei ertappt wird, schmort auf ewig im kulinarischen Höllenfeuer. Er ist sozusagen dem Untergang geweiht.

Die Zubereitung von Knödeln, das ist bayerische Kochkultur in höchster Vollendung. Der Kloß ist der Inbegriff eines jeden Festtagsschmauses, ganz gleich ob es als Beilage Gans, Ente oder Schweinebraten gibt - Hauptsache „ein Trumm Fleisch, so groß wie ein Abortdeckel", so ein Chronist Anfang des vorigen Jahrhunderts. Das gab es allerdings nur „alle heilige Zeit“, also an den hohen kirchlichen Feiertagen. Aber die großen dampfenden Schüsseln mit den dicken runden Klößen drin standen früher mindestens dreimal die Woche auf dem Tisch in der guten Stube.

Knödel, Klöß, Kniela oder Spotzn?

Mit Gewissheit kann man nach Karl Valentin eigentlich nur behaupten, dass es korrekterweise „Kartoffelnknödeln“ heißen muss, weil ja schließlich nicht nur eine Kartoffel drin ist, sondern ganz viele.

In Bayern gibt es allerdings gar keine Knödel, sondern nur Klöß'. Der Spotzn wiederum ist das Oberpfälzer Nationalgericht, aber darunter versteht der Franke nur ein paar Kilometer weiter schon wieder etwas ganz anderes, nämlich „spucken“. Im Grunde ist es aber immer das gleiche mit den beiden: sie spucken sich gern gegenseitig in die Suppe und triezen sich, wo es nur geht, aber wenn es ums Essen geht, sind sie ein Herz und eine Seele. Nur dass die Spotzn in Franken eben Knie(d)la oder Kleeß (mit weichem K) heißen. Und es gibt doch einen kleinen, aber feinen Unterschied: Der Oberpfälzer packt in seine Knödel noch ein paar geröstete Semmelstückchen hinein, damit der Kloß noch mehr fette Bratensoße aufsaugen kann. Denn das ist letztlich das Geheimnis eines jeden Knödels: dick getränkt schmeckt. er am allerbesten Und so ein Kloß mit Soß gehört ja in Bayern quasi schon zur Babynahrung.